Torhausfestival Tag 1 // AUFBAU BAUAUF // BIERBANKMUSIK // DENKMAHL

Torhausfestival Tag 1 // AUFBAU BAUAUF // BIERBANKMUSIK // DENKMAHL

Vertrauen aufbauen. Aushandeln. Ausprobieren. Wieder abbauen.

Der erste Tag hatte es in sich. Das Team müde, aber voller Tatendrang am frühen Morgen, mit großen Herausforderungen zwischendurch konfrontiert und sich dann gemeinsam, mit immer mehr Menschen, den Kopf zerbrechend, welche Lösungen man finden könnte. Ein Auf und ab der Gefühle.

Die Eindrücke der Crew, der Tempelhof Projekt GmbH und der Gäste beschreiben das Gefühl vor Ort vielleicht am besten:

“Sägen, werkeln, wuseln. Verrückte Sitzmöbel und Liegestühle aus Dachlatten, alles selbst gezimmert.”

“So schön bunt hier!”

“Verlorengegangener Erfahrungsraum wird hier von jungen Menschen wiederentdeckt!”

“Das Wuselige, Experimentelle, Unperfekte ist genau das, was hierher gehört. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist das, was der Ort braucht. Und wenn sich die Welten dann treffen, haben wir den idealen Zustand.”

“Die gelieferte Öko-Toilette ist doof und entspricht nicht den Erwartungen. Das ist nicht barrierearm, so wie das bestellt wurde.”

“Gutmütigkeit von allen Seiten. Verwaltung und Bürger*innen versuchen gerade wirklich, gemeinsam Dinge möglich zu machen.”

“Vertrauen aufbauen. Aushandeln. Einfach ausprobieren. Und wieder abbauen. Ein auf und ab der Gefühle.”

“Sommer. Sonne. Partyzipation.”

“Gute Laune. So schöne Stimmung.”

“Kochen, schnippeln, selber machen – das schaffen wir auch für viele Leute.”

“Schenkmarkt. Upcycling. Bauworkshop. Ein richtig guter Start!”

Das Torhausfestival ist kein Festival zum Konsumieren, sondern zum Kennlernen des Flughafens mit seinen baulichen Herausforderungen, zum Entdecken des Torhauses und der Umgebung, zum Mitentwickeln und zum Maßschneidern von Lösungen.
Anhand der ganz konkreten Probleme, die sich jetzt hier in der Praxis auftun, laden wir Expert*innen und Bürger*innen ein, zu diskutieren, einen Möglichkeitsspielraum abzustecken und Lösungen zu finden, die dann vielleicht auch auf das gesamte Gebäude angewendet werden können.

Ein Schild auf dem Dach des Torhauses – installiert von einem Künstlerkollektiv aus der Schweiz, um Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit für das Geschehen um das Torhaus zu schaffen. Es muss weg. Statik ist ein Grund. Wind ebenfalls. So einfach kann man doch kein Schild aufs Dach bauen! Ok, aber was genau darf man denn und wie könnte man so ein Schild anbringen? Darüber werden wir reden, wenn am Montag bei der Tempelhof Projekt GmbH alle wieder da sind.

Ein Leuchtreklamerahmen –  recycelt aus einer vorherigen Großveranstaltung. Jetzt angebracht am Torhaus, um darin Plakate und Informationen für die Bürger*innen sichtbar zu machen. Es muss weg. Denkmalschutz! Man darf nichts am Gebäude anbringen und schon gar keine Löcher bohren. Löcher wurden gar nicht gebohrt, vorhandene Löcher aber genutzt. Aber wo hört Denkmalschutz auf, wenn man ein Gebäude weiterentwickeln möchte?

Dann nutzen wir doch die Gelegenheit und die schöne Stimmung und laden für die nächsten Tage Vertreter*innen des Denkmalschutzes und alle interessierten Bürger*innen zum gemeinsamen, selbst gekochten Denkmahl ein, um anhand dieser Praxisbeispiele zu diskutieren, was hier eigentlich möglich ist und wo die Grenzen sind. Termine geben wir Euch schnellstens bekannt.

Die Nutzung der Fahnenmasten – eine tolle Idee. Leider nicht spontan möglich. Alles hat seine Wege, alles muss beantragt und genau beschrieben werden. Nagut, ein Versuch war es wert, hätte ja auch spontan klappen können.

Kochen im Torhaus – wow, wie toll! Aber kochen für 50-70 Personen? In der kleinen Hütte? Es gibt drei externe Herdplatten. Leider kann aber immer nur eine genutzt werden, da sonst die Stromleitungen überlastet sind und die Sicherungen rausfliegen. Herdplatten und Kühlschrank dürfen dazu nicht gleichzeitig am Strom stecken. Eine Herdplatte also für 70 Personen! Challenge accepted!

Trinkwasser gibt es auch noch nicht im Torhaus. Wir warten ungeduldig auf die Prüfung der Wasserqualität, um zu entscheiden, ob eine Filteranlage Sinn macht oder nicht. Bis dahin werden Kanister geschleppt und Wasser äußerst sparsam verwendet. Auch eine wichtige Erfahrung!

Eine Herausforderung folgt der nächsten und wir merken, dass wir noch viel miteinander reden und aushandeln müssen.
Aber jetzt erstmal alle an den Tisch. Es gibt Abendessen und das verbindet gleich wieder alle Gemüter!

Großes Erstaunen. Das aufgebaute Buffett mit Gerichten aus aller Welt sieht aus wie angeliefert. Wie unsere Kochcrew das mit nur einer Herdplatte hinbekommen hat, ist rätselhaft. Auf jeden Fall ist das Essen verdammt lecker und die ca. 50-70 Menschen wirken satt und glücklich, planen schon wieder, wie es morgen weitergehen könnte.

Aber wie und wo wird abgespült?
Gut, dass vorher alle zusammen eine Spülstraße vor dem Torhaus gebaut haben, an der alle ihre Teller und Becher fix selbst spülen, sobald sie Lust dazu haben. Den Ort dreckig hinterlassen will schließlich niemand. Hier wird jede Aktion zur Gemeinschaftssache. Es gibt ein Problem? Fein. Lösen wir es gemeinsam.

Und wer sich fragt, was Bierbankmusik ist: Eine Biertischgarnitur, viele Kabel, Mischpulte und kuriose, selbstgebaute technische Geräte, sogar ein Lötkolben war dabei…. das Ergebnis: Experimentelle, elektronische Klänge und mitreißende Beats, die über das Gelände flirren, während die Sonne langsam hinter dem alten Flughafengebäude untergeht.

 

Hier findet Ihr das Programm für die nächsten drei Wochen:
Torhausfestival
Kommt doch mal rum!