Ein kooperatives Betriebssystem für THF

Der Partizipationsprozess um das Flughafengebäude Tempelhof

“Europas größtes Baudenkmal – bewahren und entwickeln. Der Flughafen Tempelhof soll in den kommenden Jahren zu einem Experimentierort und neuem Stadtquartier für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft werden: ein Areal voller spannender Ideen, mit Raum zum Arbeiten, Ausprobieren und Experimentieren, Platz für einzigartige Events und Adresse kreativer, innovativer und gastronomischer Angebote.”
(So schreibt es die Tempelhof Projekt GmbH)

 

“Der Flughafen Tempelhof als Ort einer guten Zukunft. Ein Jahrhundert lang prägte der Flughafen Tempelhof Berlin. Als NS-Prachtbau zählte er zu den größten Gebäuden der Welt, war Ort von Zwangsarbeit und militärischer Nutzung. Die Luftbrücke verwandelte ihn in ein Tor zur Freiheit. Heute ist der Bau eine 300.000 qm riesige Versteinerung vergangener Zeiten. Gerade seine herausfordernde Größe eröffnet jetzt eine einmalige Chance: Gestaltet als demokratisches Gemeingut kann er zu einem Brückenpfeiler der Transformation und Zukunftsfähigkeit Berlins und der Welt werden.”
(So formuliert es die Initiative Tempelhof Vision)

 

Aber was läuft da eigentlich für ein Partizipationsverfahren?

Mehrwertvoll ist seit Juni 2018 Teil des Arbeitsgremiums, welches den Partizipationsprozesses um die Entwicklung des Gebäudes begleiten soll. Dieses Arbeitsgremium bestand mit seiner Gründung aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, der Tempelhof Projekt GmbH als Gebäudeverwaltung, VertreterInnen der Bürgerschaft sowie der begleitenden Agentur slapa & die raumplaner gmbh. Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, dass das Nutzungskonzept partizipativ mit den BürgerInnen entwickelt werden soll. In der Realität ging das jedoch nur stockend voran. Der Prozess verlief unstrukturiert, intransparent und ohne den BürgerInnen wichtige Informationen als Grundlage für die Beteiligung zur Verfügung zu stellen. Am 12.Februar 2019 verkündet die Begleitagentur ihre Kündigung und seitdem geht noch weniger voran. Dem Arbeitsgremium wurde eine Pause auferlegt, da man erst eine politische Klärung brauche, was eigentlich der Partizipationsgegenstand sei.

Wer genauer interessiert daran ist, wie der Beteiligungsprozess bisher verlief, dem legen wir das Wortprotokoll des Ausschusses für Bürgerschaftliches Engagement und Partizipation vom 27.Mai 2019 ans Herz. In dieser Sitzung nahmen Jule Hanske (Mehrwertvoll e.V. und Mitglied des Arbeitsgremiums) sowie Heike Aghte (THF.Vision und Mitglied des Arbeitsgremiums) im Abgeordnetenhaus Berlin Stellung zum bisherigen Verlauf des Prozesses.

Da Intransparenz und Informationsmangel von Anfang ein großes Problem waren, haben wir im Juli 2018 begonnen, ehrenamtlich unseren kleinen THF-Blog zu schreiben und erste Infos und alle Inhalte der Sitzungen des Arbeitsgremiums für die LeserInnen zusammenzufassen.

Im Frühjahr 2019 haben wir desweiteren angefangen, den Wissensspeicher WIR-SIND-THF ins Leben zu rufen. Ehrenamtlich und auf eigene Kosten wurde dieser programmiert und kann nun gemeinsam mit den BürgerInnen ausgefüllt werden. Hier versuchen wir, alle bestehenden MieterInnen, Initiativen, Projekte, Stakeholder und die Verwaltung zusammenzubringen und sammeln möglichst viele Dokumente, um sie zu sortieren und den BürgerInnen zur Verfügung zu stellen. Wer mit Informationen oder finanziellen Mitteln unterstützen will, schreibt uns gerne an info@wir-sind-thf.de.

Warum ein kooperatives Betriebssystem?

Das Flughafengebäude Tempelhof ist das größte denkmalgeschützte Gebäude Europas und ist damit so groß, wie ein ganzer Stadtteil. Das heißt aber auch, dass viele unterschiedliche Zielgruppen hier Platz finden können. Das Gebäude sollte nicht ausschließlich durch Verwaltung oder Wirtschaft genutzt werden. Genauso kann es nicht nur gemeinnützig genutzt werden, denn dann wäre es wahrscheinlich nicht zu finanzieren. Ein zukunftsfähiges Betriebssystem ist kooperativ! Voraussetzung dafür ist aber, dass alle den gleichen Wissensstand haben bzw. den selben Zugang zu Wissen.

Und was genau ist die Aufgabe von Mehrwertvoll?

Mehrwertvoll e.V. begleitet die verschiedenen Initiativen, Mieter*innen und Projekte hier vor Ort und in der Umgebung mit Öffentlichkeitsarbeit und vernetzt sie untereinander. Wir organisieren den Wissensspeicher und einen wöchentlichen Mieter*innen Mittagstisch am Torhaus. Wir treffen möglichst viele Zielgruppen und finden heraus, welche Vorstellung sie von der Zukunft des Ortes haben. Wir versuchen gemeinsam mit der Gebäudeverwaltung und verschiedenen Akteuren Dokumente zu sichten, die man veröffentlichen darf und sind auf der Suche nach Möglichkeiten, all das Wissen, was wir uns gemeinsam mit den Initiativen über die Zeit erarbeiten, gut zu sortieren und transparent mit allen Menschen zu teilen.
Wir haben keinerlei Interesse an Räumlichkeiten hier vor Ort. Für uns ist der Prozess spannend und ob wir einen Teil dazu beitragen können, dass alle Akteur*innen diesen Ort friedlich und kooperativ entwickeln werden.
Wir wünschen uns, das Städte für Menschen entwickelt werden und dass dieses riesige Gebäude seinen Teil dazu beiträgt, dass Berlin auch in 10, 20 und 50 Jahren eine lebenswerte Stadt bleibt.